Deutsche Bundeskanzler


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Wie hieß der erste deutsche Bundeskanzler?

Der erste deutsche Bundeskanzler war Konrad Adenauer. Er trat am 15. September 1949 sein Amt an und beendete seine Amtszeit am 16. Oktober 1963. Zur Wahl standen 1949 auch der SPD-Vorsitzende Kurt Schumacher. Doch Adenauer (damals schon 73 Jahre alt) erreichte mit nur einer Stimme Mehrheit (seiner eigenen) die knappest mögliche absolute Mehrheit. Daraufhin sagte er den berühmten Satz „Et hätt noch immer jot jejange.“

Welcher Bundeskanzler war am längsten im Amt?

Helmut Kohl war am längsten im Amt. Er regierte exakt 5.870 Tage lang (16 Jahre und 26 Tage). Bundeskanzlerin Angela Merkel ist seinem Rekord dicht auf den Fersen. Aktuell (August 2020) ist sie bereits über 5.400 Tage im Amt. Konrad Adenauer liegt an dritter Stelle mit exakt 5.144 Tagen (14 Jahre, 1 Monat, 1 Tag) Regierungszeit. Übrigens: Der Bundeskanzler mit der kürzesten Amtszeit war Kurt Georg Kiesinger von der CDU, der keine drei volle Jahre regierte.

Wie viele Bundeskanzler waren seit 1949 im Amt?

Acht Deutsche Bundeskanzler regierten bislang die BRD (von 1949-1990) und Deutschland (von 1990-2020). Helmut Kohl war der sog. „Einheitskanzler“ als 1989 die Mauer fiel. Aktuelle Bundeskanzlerin ist Angela Merkel, die mit der GroKo ihr viertes Bundeskabinett (seit März 2018) bildet.

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Deutsche BundeskanzlerIm Amt*/†Kurzbiografie (Auswahl)Video
Konrad Adenauer (CDU)1949-1963* 5.1.1876 in Köln 
† 19.4.1967 in Rhöndorf
Konrad Adenauer war der erste deutsche Bundeskanzler. Er studierte Jura und VWL und war von 1917-1933 Oberbürgermeister von Köln. 1933 wurde er aller Ämter enthoben und 1934 sowie 1944 als Nazi-Gegner zeitweise verhaftet. 1945 Wiederwahl zum OB von Köln. Am 15.9.1949 wurde er vom Bundestag mit einer Stimme Mehrheit (seiner eigenen) zum ersten Bundeskanzler gewählt. Parallel war er von 1951-1955 Außenminister. 1953, 1957 und 1961 wurde Adenauer als deutsche Bundeskanzler wiedergewählt. Mit der letzten Wiederwahl versprach er, 1963 vom Amt zurückzutreten, was am 12.10.1963 (mit 87 Jahren) auch offiziell und mit allen Würdigungen geschah.
Ludwig Erhard (CDU)1963-1966* 4.2.1897 in Fürth
† 5.5.1977 in Bonn
Ludwig Erhard studierte nach seinem Kriegseinsatz im 1. Weltkrieg (bei dem er 1918 schwer verwundet wurde) BWL, VWL und Soziologie an der Uni Frankfurt. Während des 2. Weltkriegs leitete er als Doktor und Professor das Institut für Industrieforschung. Von 1945 bis 1946 war er bayerischer Minister für Handel, von 1949-1963 Bundeswirtschaftsminister und ab 1957 auch Vize-Kanzler unter „dem Alten“ Konrad Adenauer, der „den Dicken“ jedoch nicht leiden konnte. In dieser Funktion trug Erhard maßgeblich zum erfolgreichen Wiederaufbau Deutschlands bei. Seine ökonomische Idee von einer freien Marktwirtschaft und eines fairen Wettbewerbs führten zum „Wohlstand für alle“ (Titel seines Buches von 1957). Mit dem Wirtschaftswachstum stieg auch – nach anfänglicher Skepsis und steigenden Preisen – die Akzeptanz seiner Wirtschaftspolitik bei der Bevölkerung, die ihn bis heute „Vater des Wirtschaftswunders“ nennt. 1963 übernahm er schließlich (gegen den Willen des zurückgetretenen Adenauers) das Amt des 2. Deutsche Bundeskanzler. 1965 wurde er trotz Führungsschwäche im Amt bestätigt. Am 1. Dezember 1966 trat der leidenschaftliche Zigarrenraucher (15-20 Zigarren am Tag) nach einer Minderheitsregierung (die FDP stieg zuvor aus der Koalition aus) als Bundeskanzler zurück. Danach blieb er noch 11 Jahre Bundestagsabgeordneter bis er kurz nach seinem 80. Geburtstag starb.
Kurt Georg Kiesinger (CDU)1966-1969* 6.4.1904 in Ebingen
† 9.3.1988 in Tübingen 
Kurt Georg Kiesinger studierte von 1926 bis 1931 Jura und trat 1933 in die NSDAP ein. Nach dem Krieg arbeitete er als Rechtsanwalt und war von 1958 bis 1966 amtierender Ministerpräsident von Baden-Württemberg. 1966 profitierte er vom Rücktritt Erhards (und der nachfolgenden GroKo) und wurde – trotz seiner Nazi-Vergangenheit – zum dritten Deutschen Bundeskanzler der BRD gewählt. Für viele war seine Wahl ein Affront, ja ein Schlag ins Gesicht, dass ausgerechnet ein ehemaliger Nazi nun das Land regieren wird. Diesen Schlag ins Gesicht bekam der umstrittene „Kanzler mit der kürzesten Amtszeit“ später auch schmerzlich zu spüren, als ihn die junge Aktivistin Beate Klarsfeld am 7. November 1968 während eines CDU-Parteitags öffentlich ohrfeigte. Von 1967 bis 1971 war „Häuptling Silberzunge“ (wie man ihn auch nannte) außerdem CDU-Bundesvorsitzender. Kiesinger zog sich als Abgeordneter des Bundestags erst 1980 aus der aktiven Politik zurück und starb im Alter von fast 84 Jahren.
Willy Brandt (SPD)1969-1974* 18.12.1913 in Lübeck
† 8.10.1992 in Unkel (bei Bonn) 
Willy Brandt wurde 1913 als Herbert Ernst Karl Frahm geboren. 1933 gelang dem Sozialdemokraten unter dem Decknamen Willy Brandt die Flucht vor dem NS-Regime nach Norwegen. Dort geriet Gunnar Gaasland (wie er sich zu dieser Zeit auch nannte) 1940 kurzzeitig in deutsche Gefangenschaft, wurde aber nicht enttarnt und floh weiter nach Stockholm in Schweden. Nach Kriegsende kehrte er 1945 als Journalist nach Berlin zurück und wurde von 1949-1957 Mitglied im Deutschen Bundestag. Von 1957 bis 1966 war er (also auch zur Zeit des Mauerbaus 1961 und des Besuchs von US Präsident Kennedys 1963) Oberbürgermeister in West-Berlin. Von 1964 bis 1987 war er zudem SPD-Vorsitzender. In der GroKo unter Kiesinger hatte er von 1966 bis 1969 das Amt des Bundesaußenministers inne. 1969 wurde er zum Deutschen Bundeskanzler gewählt. Am 7. Dezember 1970 wurde sein „Kniefall von Warschau“ vor dem Ehrenmal für die Toten des Warschauer Ghettos weltberühmt. Für seine „Politik der Versöhnung“ erhielt er 1971 den Friedensnobelpreis. Am 6. Mai 1974 trat er aufgrund der Guillaume-Spionageaffäre zurück. Günter Guillaume war war ein DDR-Spion und enger Mitarbeiter von Brandt.
Helmut Schmidt (SPD)1974-1982* 23.12.1918 in Hamburg-Barmbek
† 10.11.2015 in Hamburg-Langenhorn 
Der studierte Volkswirt Helmut Schmidt war von 1941 bis 1945 Leutnant an Ost- und Westfront. 1942 heiratete er seine Jugendliebe Hannelore Glaser alias „Loki“ (1919-2010), mit der er bis zu seinem Tode zusammen bleiben sollte. Ab 1961 war er Senator der Polizeibehörde in Hamburg und als solcher auch Krisenmanager in der Sturmflut von 1962. Von 1967 bis 1969 SPD-Bundesvorsitzender und von 1969-1972 Bundesverteidigungsminister  sowie von 1972 bis 1974 Bundeswirtschafts- und Finanzminister. 1974 trat er (als Nachfolger des zurückgetretenen Brandt) sein Amt als 5. Deutscher Bundeskanzler an. In seine Amtszeit fielen u.a. die Ölkrise von 1974, die Bekämpfung des RAF-Terrors 1974-77 sowie die Unterzeichnung des NATO-Doppelbeschlusses vom 12.12.1979. Da er (aufgrund der russischen SS20-Raketen) eine Gefahr des atomaren Gleichgewichts sah, plädierte er FÜR die Installierung neuer Kurz- und Mittelstreckenraketen (wie Pershing II und Tomahawk) in West-Europa. Am 1.1o.1982 wurde er nach einem konstruktiven Misstrauensvotum abgewählt. Nach seinem politischen Amt blieb er weiterhin aktiv u.a. als Mitherausgeber und Geschäftsführer (bis 1990) der Wochenzeitung „Die Zeit“.
Helmut Kohl (CDU)1982-1998* 3.4.1930 in Ludwigshafen-Friesenheim
† 16.6.2017 in Ludwigshafen-Oggersheim
Helmut Kohl war zu jung, um in den 2. Weltkrieg eingezogen zu werden. Zwar wurde er 14-jährig als Flak-Helfer ausgebildet, zu einem Einsatz kam es aber nicht mehr. Nach dem Krieg trat er noch als Schüler der CDU bei und gründet 1947 die Junge Union in Ludwigshafen. Ab 1950 studierte er Rechtswissenschaft und Geschichte und wurde 1959 (mit 29 Jahren) Mitglied des Rheinland-Pfälzischen Landtages sowie von 1969-1975 Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz. Ab 1976 war er Mitglied des Deutschen Bundestags. 1982 wurde er nach dem Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt zum 6. Deutsche Bundeskanzler gewählt und blieb (nach erfolgreichen Wiederwahlen von 1983, 1987, 1990 und 1994) bis 1998 im Amt. Als Vorbereiter der Europäischen Union erwarb er sich den Beinamen „Einheitskanzler“. In seine Amtszeit fiel die Aussöhnung mit Frankreich (symbolisch der minutenlange Händedruck mit dem französischen Staatspräsident François Mitterrand in Verdun 1984) und die Wende in der Ost-Politik, die zum Fall der Mauer und schließlich zur Wiedervereinigung führte.
Gerhard Schröder (SPD)1998-2005* 7.4.1944 in Blomberg-MossenbergWeil sein Vater kurz nach seiner Geburt im 2. Weltkrieg fiel, musste die Mutter die Familie alleine durch die schwere Nachkriegszeit bringen. Gerhard Schröder wuchs daher in ärmlichen Verhältnissen auf und war weitestgehend auf sich alleine gestellt. Er suchte sich selbst eine Lehrstelle, besuchte eine Abendschule und schaffte über den 2. Bildungsweg auch das Abitur. Danach studierte er Jura, praktizierte als Rechtsanwalt, wurde ab 1963 Mitglied der SPD und von 1978-80 Bundesvorsitzender der Jusos. Bevor er 1998 zum 6. deutsche Bundeskanzler gewählt wurde, war er von 1990 bis 1998 Ministerpräsident von Niedersachsen. Von 1999 bin 2004 war er außerdem SPD Bundesvorsitzender. Sein zweites Kabinett (in der Koalition mit dem Bündnis90/Die Grünen) erarbeite von 2000 bis 2005 die Agenda 2010, ein Konzept zur Reformierung des deutschen Sozialsystems und Arbeitsmarktes. Bei den vorgezogenen Bundestagswahlen von 2005 verlor er das Amt an Angela Merkel und ist seitdem als Rechtsanwalt, Berater und Redner in der freien Wirtschaft (u.a. für Nord Stream und Gazprom) tätig.
Angela Merkel (CDU)seit 11.2005*17.7.1954 in Hamburg Angela Merkel wurde zwar in Hamburg geboren, verbrachte aber ihre Kindheit, Jugend sowie ihr Studium der Physik in Ost-Deutschland. Nach der Wende engagiert sie sich politisch, sitzt für die CDU im Bundestag, wird von 1991 bis 1994 Bundesministerin für Jugend und Frauen und danach Bundesumweltministerin von 1994 bis 1998. 2005 wurde sie zur ersten deutschen Bundeskanzlerin gewählt, nachdem Gerhard Schröder 2005 die „Vertrauensfrage“ verlor, wodurch eine Bundeswahl notwendig wurde. Wiederwahl 2009, 2013 sowie 2017. Am 31. August 2015 prägte sie den Satz „Wir schaffen das“ als Antwort auf die zunehmende Flüchtlingsproblematik. Im Oktober 2018 gab sie ihren Rücktritt als CDU-Vorsitzende bekannt.

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Quellen zur Liste „Deutsche Bundeskanzler“:

Die Bundeskanzlerin (Web), Die Bundesregierung (Web), Bundestag.de (Web) sowie diverse Fachbücher über deutsche Bundeskanzler, Fachzeitschriften, Wikipedia u.v.a.


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