Deutsche Bundespräsidenten


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Der Bundespräsident ist das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland. Er wird alle 5 Jahre (spätestens nach 10 Jahren, da nur eine Wiederwahl möglich ist) von der nicht ständigen Bundesversammlung gewählt, die seit 1954 eigens dazu einberufen wird, deutsche Bundespräsidenten zu bestimmen. Die Versammlung setzt sich je zur Hälfte aus den Bundestagsabgeordneten sowie aus Volksvertretern (darunter u.a. auch Journalisten und Prominente) aller 16 Bundesländer zusammen.

Erster Amtssitz aller Bundespräsidenten ist das Schloss Bellevue in Berlin, zweiter Amtssitz ist die Villa Hammerschmidt in Bonn. Neben seiner repräsentativen Funktion hat er u.a. auch die Befugnis z.B. den Bundestag aufzulösen, Diplomaten zu beglaubigen, Straftäter zu begnadigen, einen Bundeskanzler vorzuschlagen, Bundesminister zu entlassen, Bundesrichter und Offiziere zu ernennen, Kriegserklärungen auszusprechen und andere. Mit Klick auf + finden Smartphone-User eine Kurzbiografie unserer 12 deutsche Bundespräsidenten.

Deutsche Bundespräsidenten Im Amt */† Kurzbiografie 
Theodor Heuss (FDP)  1949-1959  * 31.1.1884 in Brackenheim bei Heilbronn
† 12.12.1963 in Stuttgart 
Theodor Heuss war vor seiner politischen Karriere Journalist und leitete die Zeitschrift „Hilfe“. Ab 1910 war er Mitglied der Fortschrittlichen Volkspartei, die er 1946 als „Demokratische Volkspartei (DVP) neu mitbegründete. 1948-49 Vorsitzender der FDP. Als Bundespräsident kämpfte er für die Emigration und gegen den Nationalismus.
Heinrich Lübke (CDU) 1959-1969

* 14.10.1894 in Enkhausen (Sauerland)
† 6.4.1972 in Bonn

Heinrich Lübke unterbrach sein Studium der Geodäsie und Landwirtschaft, um von 1914-18 als Kriegsfreiwilliger an Ost- & Westfront zu kämpfen (mit Auszeichnung des Eisernen Kreuzes I + II Klasse). Nach Kriegsende setzte er sein Studium fort und schloss 1921 als Vermessungs- und Kulturingenieur ab. Ab 1922 war er Geschäftsführer des „Reichsverbandes landwirtschaftlicher Kleinbetriebe“ und ab 1926 Geschäftsführer der „Deutschen Bauernschaft“. Von 1931-33 war er Mitglied des preußischen Landtags, nach 1933 musste er aber alle Ämter niederlegen und landet von 1934-35 (20 Monate) sogar in U-Haft. Von 1939-45 war er Vermessungsingenieur und Bauleiter für das NS-Regime. Ab 1945 Mitglied in der CDU. Und von 1953-59 Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft. Eines seiner Anliegen war die Entwicklungshilfe, weshalb er oft auf Reisen war. Während seiner Amtszeit besuchte er 35 Länder u.a. auch Madagaskar, dessen Präsident und Ehefrau er mit „Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Frau Tananarive“ begrüßte. Tananarive war damals die Hauptstadt der Insel, die heute Antananarivo heißt.
Gustav Heinemann (SPD) 1969-1974

* 23.7.1899 in Schwelm
† 7.7.1976 in Essen

Gustav Heinemann studierte Jura und praktizierte später auch als Rechtsanwalt. Nach dem Krieg wurde er Oberbürgermeister von Essen (1946-49) sowie Bundesinnenminister (1949-50), legte dieses Amt aber aus Protest gegen die Wiederbewaffnung (ausgelöst durch den Korea-Krieg) nieder. Als Mitglied der „Bekennenden Kirche“ gehörte er 1952 zu den Parteigründern der GVP (Gesamtdeutschen Volkspartei), die sich aber 1957 mangels Wählerstimmen wieder auflöste. 1957 wechselte er zur SPD. Von 1966-69 war der wortkarge Heinemann  zunächst Bundesjustizminister und ab 1969 deutscher Bundespräsident. Sein größtes Ziel war die Versöhnung der Deutschen mit den Nachbarn.
Walter Scheel (FDP) 1974-1979

* 8.7.1919 in Höhscheid bei Solingen
† 24.8.2016 in Bad Krozingen

Nach einer Banklehre und dem Kriegseinsatz bei der Luftwaffe (1939-45 mit der Auszeichnung des Eisernen Kreuzes I + II Klasse), arbeitet er kurze Zeit als Wirtschaftsberater bevor er Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit (1961-1966), deutscher Außenminister (1969-1974) und schließlich zum 4. deutsche Bundespräsidenten gewählt wurde. 1973 sang der volksnahe Präsident für die Aktion Sorgenkind das Lied „Hoch auf dem gelben Wagen“, welches zum Erfolgsschlager werden sollte. Ab 1969 war er in 2. Ehe mit der Röntgenologin und Gründerin der Deutschen Krebshilfe Dr. Mildred Scheel (1931-1985) verheiratet. Walter Scheel wurde im hohen Alter dement und lebte bis zu seinem Tode in einem Pflegeheim. „Mister Bundesrepublik“, wie man ihn hierzulande nannte, wurde 97 Jahre alt.
Karl Carstens (CDU) 1979-1984 * 14.12.1914 in Bremen 
† 30.5.1992 in Meckenheim
Karl Carstens studierte Rechtswissenschaft und promovierte 1938 zum Dr. jur.. Kurz darauf wurde er eingezogen, dienst anfangs als Flakhelfer und später als Leutnant (mit Auszeichnung des Eisernen Kreuzes II. Klasse). Nach dem Krieg erwarb er an der Yale Universität den Titel „Master of Laws“ (1949) und praktizierte bis zu seiner Berufung zum Staatssekretär im Auswärtigen Amt als Rechtsanwalt in Bremen. 1960 wurde er Professor für Staats- und Völkerrecht an der Universität Köln. Ab 1972 war er Mitglied des Bundestages, von 1976 bis 1979 sogar Präsident des Deutschen Bundestages. Aufgrund seiner Wanderleidenschaft (er wanderte während seiner Amtszeit über 1.500 km) nannte ihn das Volk auch „Wanderpräsident“ oder „Spaziergänger der Nation„.
Richard von Weizsäcker (CDU) 1984-1994

*15.4.1920 in Stuttgart
† 31.1.2015 in Berlin

Nach dem Abitur begann für den 19-jährigen Richard von Weizsäcker der 2. Weltkrieg bereits am 1. Tag (1.9.1939). An der Seite seines älteren Bruders Heinrich (der schon am 2. Tag fiel) marschierte er in Polen ein. 1945 wurde er verwundet und mit dem Eisernen Kreuz I + II Klasse für die Rettung von Kameraden ausgezeichnet. Nach dem Krieg studierte er Rechtswissenschaft und arbeitete als Prokurist bei der Firma Mannesmann AG. Ab 1954 war er CDU-Mitglied, von 1964-1970 sowie 1979-1981 Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Von 1981-1984 war er Regierender Bürgermeister in West-Berlin. 1989 wurde er (erstmals ohne Gegenkandidat) wiedergewählt. Am 8. Mai 1985 hielt er eine bewegende Rede, in der er die deutsche Kapitulation von 1945 als „Befreiung“ bezeichnete.
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Roman Herzog (CDU) 1994-1999

* 5.4.1934 in Landshut
† 10.1.2017 in Bad Mergentheim

Roman Herzog studierte Rechtswissenschaft und lehrte dies ab 1966 als Professor in München, Berlin und Speyer. Von 1978-83 saß er im Landtag von Baden-Württemberg u.a. als Kultus- und Innenminister. Von 1983 bis 1994 war er Richter, ab 1987 auch Präsident beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. 1994 wurde er zum 7. deutsche Bundespräsidenten gewählt, verzichtete 1999 aber freiwillig auf eine mögliche Wiederwahl. 1997 sprach er von einem „Ruck, der durch Deutschland gehen müsse“ – eine Rede, die heute noch als „Ruck-Rede“ bekannt ist. Herzog blieb nach seiner Amtszeit weiter publizistisch, ehrenamtlich aber auch politisch aktiv und hatte u.a. großen Einfluss in der Erarbeitung der EU-Grundrechte-Charta.
Johannes Rau (SPD) 1999-2004

* 16.1.1931 in Wuppertal
† 27.1.2006 in Berlin

Johannes Rau brach (auf Wunsch seines Vaters) das Gymnasium ab, um eine Lehre zum  Verlagsbuchhändler anzutreten. Nach dem Besuch einer Buchhändlerschule in Köln, machte er als Geschäftsführer des Jugenddienst-Verlags Karriere. 1957 trat er der SPD bei. 1969-1970 war er Oberbürgermeister in Wuppertal, danach Wirtschaftsminister in NRW. Von 1978-1998 bekleidete er das Amt des Ministerpräsidenten in Nordrhein-Westfalen. Als Bundespräsident setzte er sich nach dem Motto „Versöhnen statt spalten“ vor allem für die Integration von Minderheiten und Ausländer ein. Im Jahre 2000 sprach „Bruder Johannes“ als erster deutscher Bundespräsident vor der Knesset (israelisches Parlament) und bat in deutscher Sprache um Vergebung für den Holocaust.
Horst Köhler (CDU) 2004-2010  * 22.2.1943 in Heidenstein (heute Polen)  Kurz nach seiner Geburt flieht seine Familie vor den Russen nach Deutschland, erst in die Nähe von Leipzig, später nach West-Berlin und Ludwigsburg. Von 1965-69 studierte er Wirtschaftswissenschaften. 1977 promovierte Horst Köhler an der Tübinger Universität. Ab 1981 CDU-Mitglied, Referent und Büroleiter des Finanzministeriums; 1990-1993 Staatssekretär des Bundesfinanzministeriums (unter Theo Waigel) und als solcher Chefunterhändler beim Maastricher Vertrag und der Europäischen Währungsunion. 1992 organisierte er den Weltwirtschaftsgipfel der G7 in München. 1993 verlässt er die Politik, wird 1993-1998 Präsident des Deutschen Sparkassenverbandes, 1998-2000 Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau in London und 2000-2004 Direktor des Internationalen Währungsfonds IWF. 2004 wird er zum 9. deutsche Bundespräsidenten vereidigt und 2009 wiedergewählt. Am 22. Mai 2010 äußerte er sich im Radio (nach einem Truppenbesuch in Afghanistan) zum Auslandseinsatz der Bundeswehr, worauf er heftig kritisiert wurde – mit der Folge, dass er am 31. Mai sein Amt überraschend niederlegte.
Christian Wulff (CDU) 2010-2012 * 19.6.1959 in Osnabrück  Der promovierte Jurist ist seit 1975 Mitglied der CDU. 1990-94 arbeitete er in einer Rechtsanwaltskanzlei, 1994-2010 wurde er Abgeordneter im niedersächsischen Landtag, später Landesvorsitzender der CDU – und als solcher auch Oppositionsführer gegen Gerhard Schröder. 2003-2010 Ministerpräsident von Niedersachsen. Nach dem plötzlichen Rücktritt von Horst Köhler wurde Christian Wulff zum 10. deutsche Bundespräsidenten ernannt. Nur anderthalb Jahre nach seiner Vereidigung trat er am 17. Februar 2012 vom Amt zurück. Vorausgegangen waren einige (Medien-)Skandale und Affären. 2014 eröffnete er in Hamburg eine eigene Kanzlei. Im gleichen Jahr wurde er vor Gericht vom Verdacht der Vorteilsnahme freigesprochen.
Joachim Gauck (parteilos) 2012-2017 * 24.1.1940 in Rostock  Joachim Gauck war ab 1967 evangelischer Pfarrer in der DDR und später Volkskammer-Abgeordneter für das Bündnis 90. Von 1990-2000 leitete er die sog. „Gauck-Behörde“, die die Akten der Stasi verwaltete. Im März 2012 wurde er zum 11. deutsche Bundespräsidenten gewählt, gab aber am 6. Juni 2016 bekannt, dass er aus Altersgründen (Gauck war zu diesem Zeitpunkt 76 Jahre alt) für eine weitere Amtszeit nicht mehr kandidieren wird. Er lebt seit 2000 mit der 20 Jahre jüngeren Journalistin Daniela Schadt zusammen.
Frank Walter Steinmeier (SPD) seit
2.2017 
* 5.1.1956 in Detmold Ex-Außenminister Frank Walter Steinmeier wurde am 12. Februar 2017 zum 12. und aktuellen deutschen Bundespräsidenten gewählt. Die politische Karriere des Dr. jur. Steinmeier begann 1993, als er vom damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder zu dessen Büroleiter ernannt wurde. Seit 1995 ist er mit der Verwaltungsrichterin Elke Büdenbender verheiratet, der 2010 eine Niere transplantiert werden musste, die Frank Walter Steinmeier spendete. Auf sein Amt des Außenministers folgte Parteigenosse Sigmar Gabriel.

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